26.06.2015

Ekin Deligöz besucht den Landkreis Günzburg

Letzte Woche kam die Grüne Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz in den Landkreis Günzburg. Sie besuchte den Evangelischen Kindergarten in Krumbach, machte sich vor Ort ein Bild über die Situation des Gartenhallenbades in Leipheim und traf sich zum Gespräch mit Einrichtungsleiter Diakon Kühn im Rummelsberger Stift, ebenfalls in Leipheim. Ekin Deligöz ist Mitglied des Haushaltsausschusses im Deutschen Bundestag. Begleitet wurde sie von Kreisrat Harald Lenz vom Kreisverband der Grünen. 

 

Frau Müller, Bildungswissenschaftlerin und  Leiterin vom Evangelischen Haus der Kinder, berichtete vom Betreuungskonzept ihrer Einrichtung. Vierzig Kinder besuchen täglich den Kindergarten. Der inklusive Gedanke spielt hier eine bedeutende Rolle. Eine Pädagogik, die das einzelne Kind in seiner ganz eigenen Entwicklung sieht und seine individuelle Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellt, bietet viele Entwicklungschancen, so Müller.
Besondere Situationen gibt es des Öfteren beim Zusammentreffen von unter Dreijährigen und Integrativkindern. Unter Dreijährige erleben, dass es “Große” gibt, welche auch noch nicht alles können. Ebenso erkennen Integrativkinder, dass es Kinder gibt, mit denen sie mithalten. Das spielende Lernen am Bildschirm ist dabei kein Tabu. Die Leiterin verweist dabei auf “durchaus sinnvolle Apps”, die zur Weiterentwicklung der Heranwachsenden beitragen können. Im richtigen Maß eingesetzt werden diese auch in der Begabtenförderung verwendet. 
Frau Müller weist auf den hohen Qualifikationsstand ihrer Mitarbeiter hin. Eine Besonderheit ist hierbei, dass  im evangelischen Haus der Kinder Mitarbeiterinnen mit wissenschaftlichen,  therapeutischen und pädagogischen Hintergrund  optimal zusammenarbeiten, um neue Ansätze zu entwickeln. Noch sei es schwierig männliche Mitarbeiter zu finden. Eine Aufwertung des Erzieherberufs im europäischen Vergleich sei dringend nötig.

 

Zu einem Gespräch in der Leipheimer Kreiseinrichtung Gartenhallenbad traf Ekin Deligöz am frühen Nachmittag ein. Werkleiter Gernot Korz und Betriebsleiter Marcello Treuleben, zuständig für das operative Geschäft vor Ort einschließlich der Haustechnik, führten durch die Räumlichkeiten. Mit dabei waren auch Leipheims Bürgermeister Christian Konrad, sowie die Vertreter des ansässigen Ortsverbands Nina Gaes und Timo Müller. Korz führte aus, dass im vergangenen Jahr verschiedene Instandhaltungsmaßnahmen umgesetzt wurden, um den ordnungsgemäßen Betrieb der Einrichtung für einen Zeitraum von fünf Jahren zu sichern (u.a. Brandschutzmaßnahmen, Reparaturarbeiten an der Lüftungsanlage). Daher hielten sich momentan dringende Sanierungen am Bad noch in Grenzen. Dennoch könne man nicht genau vorhersehen, wie sich die Situation in fünf oder acht Jahren darstelle, erläuterte Korz und verwies dabei auch auf die rechtlich brisante Situation, falls höhere Investitionen zusätzlich anfielen. Eingehende Untersuchungen des Gebäudes und der Technik haben ergeben, dass in den nächsten 10-15 Jahren umfangreiche Sanierungen anfallen werden, u.a. im Bereich der Gebäudetechnik, an den verschiedenen Becken, an der Riesenrutsche sowie am Dach und an der Fassade. Ebenso muss die Zukunft des betriebseigenen Blockheizkraftwerks diskutiert werden, falls dieses ausfällt und nicht mehr reparabel sein sollte. Lohnt sich hier die Modernisierung, gemessen am unbestimmten Zeitraum des Weiterbetriebs und der eingesparten Energie?
Christian Konrad bemerkt, dass es für seine Stadt nicht möglich sei, die Kosten für den Betrieb des Bades alleine zu Schultern. Deshalb begrüße er es, dass das Thema momentan zwischen den Bürgermeistern des Landkreises diskutiert werde. Schließlich gehe es auch um Daseinsvorsorge. Ekin Deligöz betonte, dass Armut in Deutschland oft mit mangelnder Teilhabe verknüpft ist. Wird nun ein Bad mit erschwinglichen Eintittspreisen geschlossen, verliere man nicht nur die Möglichkeit des Badevergnügens. Die wenigsten Kinder erlernen das Schwimmen erst in der Schule. Auch die Rettungswacht werde nicht an den Baggersee expandieren. Gleichfalls angesprochen wurde die Möglichkeit  Bundesmittel aus bestimmten Förderprogrammen zu erhalten. Die Grüne Bundestagsfraktion setzt einen Schwerpunkt auf Infrastrukturförderprogramme, denn Kommunale Einrichtungen müssen als Teil der Daseinsvorsorge erhalten werden, verdeutlicht die Bundestagsabgeordnete. Die Chancen im Fall des Gartenhallenbads seien jedoch momentan hier wohl nicht sehr groß, so Deligöz.

 

Anschließend besuchte Deligöz das Rummelsberger Stift in Leipheim und informierte sich über die Arbeit des Hauses. Diakon Kühn berichtete über das Angebot der eingestreuten Kurzzeitpflegeplätze, welche gelegentlich auch sehr kurzfristig vergeben werden können. Er nennt es augenzwinkernd “Vergabe nach Wetterlage” und fügt an,”wir helfen der Familie indem wir nachsehen, ob im Urlaubsgebiet schönes Wetter ist, wenn wir ein Zimmer zur Kurzzeitpflege frei haben”. 
Die Belegung sei allgemein schlecht steuerbar. Etwas erleichtert wird dies durch den Zustand, da sein Haus nur Einzelzimmer anbiete. Den zugestandenen Stellenschlüssel bewertet Kühn in den Heimen als nicht ausreichend, vor allem in Bezug auf das Anforderungsprofil. Entscheidend ist, welche Leistung ich bei welcher Personaldecke geboten werden kann. Er schlägt vor, mittelfristig auch die Behandlungsleistungen wie im ambulanten Dienst abzurechnen und ganz von der Grundversorgung abzukoppeln. “So kann ich auch immer höher werdende medizinische Bedarfe wie z. B. multiresistente Keime bei Bewohnern, kostendeckend versorgen” führt Kühn aus. Der angestrebte Basispersonalschlüssel als Orientierungswert für den Nachtdienst werde der Regelsituation in der Nacht ebenso nicht gerecht. Momentan erarbeitet der Diakon in diesem Zusammenhang ein Eckpunktepapier gemeinsam mit der regionalen Fachaufsicht. Die Kräfte, welche nachts arbeiten, fehlen mir am Tag für die Planung, so der Einrichtungsleiter. Die Zivildienstleistenden, als Entlastung für die Pflegenden, fehlen zudem an allen Ecken und Enden. Problematisch sei auch die Tatsache, dass er keinen Heilerziehungspfleger als Fachkraft einsetzen könne. Die gespannte Personalsituation führe dazu, dass manchmal Mitarbeiter ihn darum bitten, bei der Essenseingabe am Bett auszuhelfen.
Auch die Sterbehilfe war Thema beim Gespräch. Hier vertrat Kühn die Ansicht, dass eine gute Begleitung, ebenso für die Trauernden und Angehörigen, von großer Bedeutung sei. Wichtig sei es Ängste abzubauen und für die Betroffenen da zu sein. Aber auch für diese Anforderungen reiche das Personal in den Heimen oft nicht aus. “ Für Menschen in stationärer Versorgung ist eine würdevolle Begleitung am Sterbebett wesentlich, eine strafrechtliche Regelung aber kaum von belang”, so Kühn abschließend.

 

Zum Bild Rummelsberger Stift

von links nach rechts, Einrichtungsleiter Diakon Jürgen Kühn, Kreisrat Harald Lenz, Ortsverbandvorsitzende Nina Gaes, Bundestagabgeordnete Ekin Deligöz, Haus- und Pflegedienstleitung Heiko Gerlach, Beisitzer im Ortsverband Timo Müller, Gerontopsychiatrischer Fachdienst Marianne Block und Stellvertretende Pflegedienstleitung Nicole Vogginger  

  

Zum Bild GHB-Technik

Ekin Deligöz machte sich ein Bild von der Technik des Gartenhallenbads in Leipheim

 

Zum Bild Haus der Kinder

Trafen sich zum Gespräch im Evangelischen Kindergarten in Krumbach

von links nach rechts, Bildungswissenschaftlerin und Leitung Anna Müller, Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz und Kreisrat und Fraktionsvorsitzender Harald Lenz