27.10.2015

2500 Pflegekräfte demonstrieren für die Kammer

Der Kreisverband Günzburg machte über seinen Mail-Verteiler auf die Pflege-Demo in München aufmerksam. Am 27.10 um 10.00 Uhr war es dann soweit. 2500 Pflegekräfte zogen vom Odeonsplatz zur Staatskanzlei und forderten die Selbstverwaltung der Pflege in Form einer Pflegekammer.

Mit Sprechchören, wie „Uns reicht´s jetzt“ und „Pflegekammer jetzt“ brachten sie ihren Unmut über die Implementierung des bayernweiten Pflegerings zum Ausdruck, welcher viel zu unverbindlich ausgestaltet ist, um die Anliegen der Pflegenden in Zukunft zu vertreten.

Als Redner bei der Kundgebung vor der Staatskanzlei gaben sich Edith Dürr, Vorsitzende der BAY.ARGE, Ulli Leiner, Landtagsabgeordneter der Grünen und Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerats, das Mikrofon weiter.

Edith Dürr beklagte die fehlende Pflichtmitgliedschaft im Pflegering. So kann nie mit einer Stimme gesprochen werden. Die Fremdbestimmung in der Pflege muss endlich vorbei sein, forderte sie.

Ulli Leiner würdigte die Arbeit der Pflegenden und machte deutlich, dass nur die Pflege selbst für ihre Belange eintreten kann. Eine Befragung der Pflegekräfte in Bayern hat ergeben, dass 50% eine Pflegekammer befürworten. Angesichts der Tatsache, dass die CSU nur mit 47% regiert ist auch die Zahl 50 hier als Mehrheit zu bewerten, so Leiner.

Eine flammende Rede für die Selbstverwaltung hielt Andreas Westerfellhaus. Er forderte die bayerische Staatsregierung auf, endlich das Versprechen einzulösen, das Minister Söder 2011 gegeben hat. Nämlich die Einführung einer Pflegekammer. Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein machen vor wie es gelingen kann. Seine Befürchtung ist, dass die Pflege in Bayern im Bund wegen einer nicht angemessenen Vertretung abgehängt wird.

Auch der anstehenden Klinikreform bescheinigte er mangelnde Wirksamkeit. Für die 2000 Krankenhäuser springen im Durchschnitt 2-3 Pflegekräfte pro Krankenhaus mehr heraus. Aufgrund der Tatsache, dass in den letzten 15 Jahren ein massiver Stellenabbau in der Pflege betrieben wurde ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Als einziger Vertreter einer Trägerschaft sprach Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl. Sein Verband hat sich erst seit einiger Zeit dafür entschieden die Pflegekammer zu befürworten. Aber angesichts der zu bewältigenden Probleme in der Zukunft sehe er inzwischen keine andere Möglichkeit. Er sprach den Demonstranten Mut zu und wünschte Ihnen Durchhaltevermögen.

Harald Lenz, Kreisrat in Günzburg und selbst im Pflegeberuf tätig, nahm an der Demonstration teil und ist sich sicher, dass die Politik irgendwann die Kammer für die Pflegenden installieren muss. Anderen Berufsgruppen wird sie ja auch schon seit langer Zeit zugestanden. Warum nicht auch der Pflege?